Die FFw von WellerswaldeSeit wann es in unserem Dorf eine Feuerwehr gibt, lässt sich nicht genau sagen. Die Kameraden unserer Ortsfeuerwehr nehmen das Jahr 1902 als ihr Gründungsjahr an. Auf der Gemeinderatssitzung am 24. Juli 1902 wurde beschlossen, eine Pflichtfeuerwehr nach den vorgelegten Statuten der königlichen Amtshauptmannschaft einzuführen. Sicher reicht die Geschichte der freiwilligen Feuerwehr noch viel weiter zurück, denn in Aufzeichnungen über den zweiten Oschatzer Stadtbrand am 7. September 1842 wird in der Aufzählung der helfenden Wehren auch die von Wellerswalde mit einer Spritze genannt. In der Gemeinderatssitzung vom 13.Dezember des Jahres 1895 beschlossen die Ratsmitglieder, die Feuerspritze von einem Kupferschmied in Oschatz auf Schadhaftigkeit überprüfen zu lassen und eventuelle Schäden abzustellen. Die Feuerspritze war Baujahr 1824 und musste von wenigstens zwei Personen betrieben werden. Weitere Informationen über Personen und Gerätschaften sind momentan nicht bekannt. Die im Gründungsjahr gewählten Führungskräfte waren:
(Hausnummern und Straßennamen wurden den aktuellen Bezeichnungen angepasst.)Als einer der ersten Wehrleiter wird der Kamerad Bonge aus der Handwerkergasse genannt. Kamerad Haufe, Förster auf dem Wellerswalder Rittergut, führte die Wehr bis 1934. Kamerad Seifert, Stellmacher in der Handwerkergasse, leitete die Feuerwehr von 1934 bis 1955. Ab 1955 lag die Führung in den Händen von Kamerad Franz Stelzner, Bauer in der Merkwitzer Strasse. Bis auf kurze Unterbrechungen behielt er die Leitung bis 1994. Zur Entwicklung unserer FeuerwehrZogen im Brandfall die Kameraden der früheren Jahre mit einem Pferdegespann und einer Handdruckspritze los, so konnte die Wehr ab 1941 auf einen offenen PKW der Marke "Adler", der als Mannschaftswagen diente und eine Motorspritze, die im Anhänger des Gefährtes Platz fand, zurück greifen.
In der Nachkriegszeit und nach Gründung der LPG, wurde der Tragkraftspritzenwagen per Traktor gezogen. Das alte, kleine Spritzenhaus befand sich an der Ecke Merkwitzer Strasse – Kirchstrasse, genau an der Brücke, die über den Mühlbach führt.
Ein großer, massiver Maschinenschuppen der Familie Franz Winkler in der Kirchstrasse 1 wurde von den Kameraden modernisiert und 1974 zum neuen Gerätehaus bestimmt. Neben dem Spritzenwagen fand auch der alte LKW vom Typ "Garant", der im gleichen Jahr angeschafft wurde, darin Platz. 1982 wurde der "Garant", im Volksmund auch "Fenno" genannt, durch einen gebrauchten "Robur LO" ersetzt.
Am 19. April 1991 wurde ein "LF 8", wieder ein gebrauchter "Robur", angeschafft. Zum Schutze der persönlichen Gesundheit und zur Erhöhung der Leistungsbereitschaft bekamen die Kameraden im Jahre 1999 vier Pressluftatemgeräte zur Verfügung gestellt.
Am 1. Juli 2001 übergab der damalige Bürgermeister Andreas Kretzschmar eine neue Tragkraftspritze vom Typ "TS8" im Wert von 16800 DM. Im Oktober 2003 zog unsere Feuerwehr in die Neue Strasse. Zwei Garagen rechts neben dem Heizraum des ehemaligen LPG-Werkstattkomplexes ließ die Gemeinde zu einem brauchbaren Gerätehaus um bauen. Die Kameraden dichteten in Eigeninitiative das Dach ab und gaben ihrem neuen Domizil einen schmucken Anstrich.
Mai 2011: Der Feuerwehr Robur "LO" hat ausgedient. Die Kammeraden bekommen einen 23 Jahre alten Mercedes vom THW. Natürlich ist das Auto nicht neu, aber trotzdem ein riesiger Schritt nach vorn. Die wesentlichen Brandeinsätze
Zu Hochwassereinsätzen wurden die Kameraden in den Jahren 1941, 1947, 1960,
1961, 2002, 2003, 2006, 2008 und 2011 gerufen. Die Feuerwehr bereichert unser LebenEine große und wichtige Rolle spielt unsere Feuerwehr auch im kulturellen Bereich. Im April 1962 wurde eine Schalmeikapelle gegründet. Den Anstoß dazu gab Karl Herzog. Die musikalische Leitung hatte Georg Schienemann aus Naundorf. Zu Maifeiern, Fest- und Fackelumzügen, aber auch zu großen Familienfeiern kamen die Kameraden zum Einsatz. Schade, dass im Jahre 1976 das Aus der Kapelle kam.
Seit 1999 organisieren die Kameraden der FFW unser jährliches Dorffest. Auch Kinderkino und das beliebte Familienrodeln auf dem Bubenberg werden unkompliziert ausgerichtet. Jedes einzelne Fest hatte seine Höhepunkte und trug zu Unterhaltung und Kommunikation unserer Bürger bei.
Auf das vierte Feuerwehrfest, welches vom 9. bis zum 11. August 2002 stattfand, möchte ich besonders eingehen. Es galt, die Feierlichkeiten für 100 Jahre Feuerwehr, den Gemeindefeuerwehrtag und das Dorffest auszurichten.
Der Abend des 9. August begann mit einem feierlichen Fackelumzug, an dem auch die benachbarten Wehren unserer Großgemeinde teilnahmen. Unter musikalischer Begleitung des Spielmannzuges Nerchau zog der lange, festlich geschmückte Zug durch unser Dorf hin zum Festzelt auf dem Sportplatz. Unter den Gästen im Präsidium waren neben unserem Bürgermeister Karl Heinz Börtitz, auch unser Landrat Robert Schöpp, CDU Landtagsabgeordneter Frank Kupfer, Kreisbrandmeister Heinz Noll und der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes Karsten Saack, anwesend. In seiner Festrede ging der Wehrleiter Andreas Richter auf die interessante Geschichte und Entwicklung unserer Wellerswalder Feuerwehr ein.
Ein Höhepunkt des Abends war die Auszeichnung des Kameraden Franz Stelzner. Über vierzig Jahre stand er den Wellerswalder Kameraden als Wehrleiter zur Verfügung. In Anerkennung für jahrzehntelange Pflichterfüllung wurde der damals Dreiundachtzigjährige als Ehrenmitglied ausgezeichnet. Anhaltende, stehende Ovationen unserer Bürger sprachen für sich!
Ein Tag der offenen Tür des Gerätehauses wurde am darauf folgenden Morgen veranstaltet. Auszeichnungen, Fotos und Gerätschaften wurden ausgestellt. Am Nachmittag des 10.August fanden die Feuerwehrwettkämpfe mit anschließender Siegerehrung statt. Der Morgen des 11.August begann mit einem Gottesdienst im Festzelt. Natürlich kamen an der dreitägigen Feier, Spiel, Sport und Tanz nicht zu kurz. Das Fest war gut durchorganisiert und eine rundum gelungene Sache. Doch die Kameraden sollten nach ihren anstrengenden Tagen nicht zur Ruhe kommen. Nach anhaltendem Regen am Montag, den 12. August war bereits in den Abendstunden absehbar, das die Luppa über ihre Ufer treten wird. Fast alle Anwohner der Handwerkergasse und teilweise auch die der Feldstrasse hatten mit Hochwasser zu kämpfen. Sandsäcke mussten gefüllt und verteilt werden. Noch in der Nacht musste Frau Mehner aus ihrem Bungalow in der Handwerkergasse evakuiert werden. Keller und Wohnungen liefen voll, Grundstücke und Strassen waren überflutet. Viele Familien waren auf die Hilfe der Kameraden angewiesen.
Spätestens nach diesem Hochwasser wird jeder begriffen haben, wie wichtig eine Ortsfeuerwehr ist und wie dankbar wir alle sein müssen, dass wir sie haben. G. Röhr Wellerswalde, den 20.April 2008 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||